Suttnerpreis 2007

 
Buch / Illustration - EIN KRIEGSSCHIFF

EIN KRIEGSSCHIFF von Caroline Beutnagel

 

Buch und Illustration von Caroline Beutnagel zu Text aus 'Erzählungen des Rheinländischen Hausfreundes (von Johann Peter Hebel, 1811)

Zur Ansicht stehen zut Verfügung:
Auszüge >> des Buchs

Kurzbeschreibung | Introduction

»Man kann sich nicht vorstellen, was zu einem großen Kriegsschiff gehört. Zu einem englischen Schiff, das hundert Kanonen führt, gehören tausend starke Eichen, also, daß man sagen kann, ein ganzer Wald; ferner zweihunderttausend Pfund Eisen. Zu den Segeln sind erforderlich sechstausendfünfhundert Ellen Tuch; das Tauwerk oder die Seile haben ein Gewicht von hundertvierundsechzigtausend Pfund, und wenn sie mit Teer überzogen sind, wie es sein muß, so wägen sie zweihunderttausend Pfund. Das ganze Schiff hat ein Gewicht von fünf Millionen Pfund oder fünfzigtausend Zentnern, ohne die Mannschaft und Lebensmittel, ohne das Pulver und Blei, und schwimmt doch so leicht und sicher auf dem Wasser dahin und geht, wohin der Mensch es haben will.
Wenn ein einziger Mensch ein solch Kriegsschiff bauen müßte und verstände alle Handwerke, die dazu gehören, so hätte er daran zu arbeiten vierhundertachtzig Jahre. Wenn er angefangen hätte im Jahre 1333, als noch keine Türken in Europa waren, und man fast noch zweihundert Jahre lang nichts vom Doktor Luther wußte, und hätte seitdem Tag für Tag daran gearbeitet und lebte noch, so wäre er noch nicht fertig. Wenn also vierhundertachtzig Menschen daran arbeiten, so werden sie fertig in einem Jahr. Daran kann man ersehen, was es für ein entsetzlicher Verlust sein muß, wenn in einer Seeschlacht acht, ja zwölf solche Schiffe in die Gewalt des Feindes kommen oder untergehen, wenn sie auch etwas kleiner sind. Wenn aber auch solch einem Schiff kein weiteres Unglück begegnet, so dauert es höchstens doch nur fünfzig Jahr.«

Ziel meiner Arbeit war eine kritische Auseinandersetzung mit der Kalendergeschichte von Johann Peter Hebel. Den Text zu hinterfragen, um Bedeutungsebenen freizulegen, die eine zeitgemäße Interpretation herausfordern. Es galt also, den Text aus seinem Zeitkontext zu lösen und damit die Allgemeingültigkeit der Aussage vermittelbar zu machen.


Auf dieser Grundlage fiel die Entscheidung für eine archaische Figur als Handlungsträger und als Reflexionsfläche. Das Ewiggültige und Allgemeinmenschliche finden in einer solchen Figur ihre Stilisierung und bilden einen eindrucksvollen Gegenpart zum zerstörerischen Kriegsgeschehen, dem eigentlichen Thema. Damit interpretiere ich die Geschichte als eine Konfrontation von humanen und pervertierten Kräften der menschlichen Gesellschaft.

Die Sinnlosigkeit von Krieg und Gewalt wird im Text durch die ironische Brechung deutlich, für die Illustration musste eine andere Form gefunden werden. Die Konzentration auf den Menschen in seiner Stilisierung schien mir dafür geeignet. Die Körperstudien einer junge Auseinandersetzung mit der permanenten Bedrohung.

Die Beschreibungen des Kriegsschiffes lassen sie erstarren, lähmen - dem 'Unglück' überrascht, hilflos und ratlos ausgeliefert sein. Die Frau scheint wehrlos, da sie das Phänomen und das Wesen des Krieges nicht erfassen kann - sie spürt zwar die Gefahr, aber kann ihr dennoch nicht begegnen und verharrt in Passivität. Niemals versucht die mit dem Geschehenen zu interagieren - sie kommentiert es durch Haltung und Gestik von Anfang bis Ende.

Kenn-Nr.: CB-018 | Zur Abstimmung >>

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